Konzert: "Romancero Gitano"

Bern, Französische Kirche
Mittwoch, 22.5.2013, 20.00 Uhr
Freitag, 24.5.2013, 20.00 Uhr

Im Mittelpunkt unseres diesjährigen Sommerkonzertes steht der spanische Dichter und Musiker Federico Garcia Lorca (1898 – 1936). Der Mitbegründer der modernen spanischen Literatur engagierte sich nach seiner Rückkehr von einem längeren Studienaufenthalt in Nord- und Südamerika tatkräftig an Kulturprojekten für die Landbevölkerung seiner Heimat. Rasch erregte er das Missfallen der Faschisten und wurde bereits im Vorfeld des Bürgerkriegs von den Anhängern Francos gefoltert und ermordet.

Lorcas Verbundenheit mit den Kreisen der Avantgardisten und Surrealisten u.a. um den Filmregisseur Luis Buñuel und den Maler Salvador Dalì hat seine eigenwillige Bilderwelt nachhaltig beeinflusst. Gleichzeitig war Lorca zutiefst in der Volkskultur seiner andalusischen Heimat verwurzelt. Er galt als hervorragender Improvisator auf der Gitarre, sammelte und edierte spanische Volkslieder.

So erstaunt es nicht, dass sich auch zahlreiche seiner eigenen Dichtungen direkt auf die Tradition der Zigeunerromanzen und des Flamencogesangs (insbesondere des pathetischen „Cante jondo“) beziehen. So trägt einer seiner bedeutendsten Gedichtzyklen den Namen „Romancero Gitano“, zu Deutsch etwa „Album der Zigeunerromanzen“. Eine Auswahl hieraus vertonte der italienisch-amerika­ni­sche Komponist Mario Castelnuovo-Tedesco (1895 – 1968) für Chor und Gitarre. Während sich Tedescos Musik relativ eng an die spanische Folklore anlehnt, betont die viersätzige „Lorca-Suite“ für Chor a cappella des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara (geb. 1928) eher die surreale, bisweilen alptraumhafte Seite der Gedichte Lorcas.

Diese beiden Werke des 20. Jahrhunderts konfrontiert unser Programm einerseits mit authentischen Volksliedern, die Lorca selbst für seine Sammlung „Canciones españolas antiguas“ ausgewählt und arrangiert hat, andererseits mit Chorwerken des 19. Jahrhunderts: Den romantisch-schwärmerischen Vertonungen spanischer Volkstexte von Robert Schumann (1810 – 1856) sowie den „Zigeunerliedern“ op. 103 von Johannes Brahms (1833 – 1897).

So grundsätzlich verschieden diese Werke in ihrer ästhetischen Grundhaltung sind, sie vereint die Faszination von der leidenschaftlichen und bedingungslosen Hingabe an die persönliche Freiheit. Der Zigeuner, der um dieser Freiheit willen ein Leben ohne jegliche Sicherheiten am Rande der Gesellschaft führt, ist dabei nicht nur das Alter Ego des Künstlers – ein wenig schlummert er in uns allen.